3.6.2026 Kunst
„Brancusi, Sie sollten sich unbedingt Brancusi anschauen.“
Heute habe ich frei. Am besten schläft es sich, wenn der Wecker schon geklingelt und man bereits zweimal gesnuselt hat, nicht wahr? Prompt ein bisschen verschlafen so 15 Minuten. Ging sich trotzdem aus. Es regnet. Es gab Familienfrühstück, wie fast jeden Morgen, die schulischen Aktivitäten sind vor dem Notenschluss echt hart, wie immer stapeln sich LEKs, Klassenarbeiten, Vorträge, Videodreh, Podcast erstellen, Kunstwerke beenden, Vergleichsarbeit. Ich möchte nicht tauschen. Ich reiche nahrhaftes Essen, höre zu, motiviere, organisiere Klamotte für den Schulball, bezahle Klassenfahrten und zähle heimlich die Tage bis zu den Ferien, dann kann ich auch morgens 30 Minuten länger schlafen, wenn ich Frühschicht habe. Zähle die Tage bis zum Urlaub, endlich wegfahren, wieder reisen!
Gestern drohten mir wieder mal massive Zyklusbeschwerden, die ich aber rechtzeitig medikamentös eindämmen konnte. Bin sehr dankbar, für zwei nicht verlorene Tage in diesem Monat.
Nachdem ich richtig wach und die Kinder in der Schule waren, bin ich zum Sport gegangen. Unterwegs gibt es eine gepflegte und ehrenamtlich betreute Verschenkekiste, dort ließ ich heute einige aussortierte Bücher und zu klein gewordene Kinderkleidung. Schön, ich mag Aussortieren, Platz für neue Gedanken. Beim Sport wars angenehm heute. Crosstrainer lief richtig gut und an den Geräten war kein Stau, ich hörte eine Folge des Elevation Podcast. Anschließend Wasserstrahlmassage, das Gerät war leider etwas defekt, wird kommende Woche aber repariert. In der Umkleide war vor meinem Schrank ein Damendiesichumkleidenknäuel, in verschiedenen Stadien des Umkleidens. Welches leider gar nicht zuckte und rückte, als ich über deren Sachen drüberstieg und meinen Schrank öffnete. Gegrüßt hatte ich! Stattdessen wurde die Genesung eines gebrochenen Arms diskutiert. Also packte ich meine Siebensachen unter den Arm und ging in den anderen Umkleideraum. Den ich nicht so mag, weil er neben der Tür ist. Egal.
Lebensmitteleinkauf auf dem Rückweg, Regenjacke auf dem Arm, Schirm in der Rucksackseitentasche, es fühlte sich schwül feucht an. Zu Hause Körperpflege und Mittagessen. Es gab Spaghetti mit Gemüsesoße, die ich gestern vorgekocht hatte. Danach schrieb ich zwei Postkarten, als Länder hatte ich Adressen aus Neuseeland und Belgien gezogen. Fein. Und weil ich schon den ganzen Tag richtig Lust darauf hatte, fuhr ich mit der S-Bahn zum Potsdamer Platz und besuchte die Neue Nationalgalerie. Ich bin relativ selten am Potsdamer Platz und jedes Mal aufs neue beindruckt, von den Berliner-Mauerresten, den vielen Touristengruppen, den Hochhäusern, in deren Glasfronten sich andere Häuser spiegeln, dem riesigen Bahnhof voller Rolltreppen.
BRANCUSI steht an der Neuen Nationalgalerie dran. Kaum war ich dort, überfiel mich die Erinnerung, als ich dort 2004 die MoMa mit Freunden in Berlin besuchte, die Schlange wand sich dreimal um das Museum herum und wir mussten Stunden warten, bis wir hinein durften. In diese Erinnerung versunken stehe ich im Foyer, meine Jahreskarte in der Hand, die darfmitindasMuseum kleine Handtasche über der Schulter, als mich ein Mitarbeiter anspricht. „Ich sehe, Sie haben die Nofretete in der Hand, gegen einen kleinen Obolus können Sie sich BRANCUSI anschauen. Brancusi, Sie sollten sich unbedingt Brancusi anschauen.“ (Die Büste der Nofretete ist auf der Jahreskarte abgebildet.) Er legt eine solche Leidenschaft in seine Stimme, dass ich ihn frage, wo denn die Kasse sei und die Ausstellung Ruin und Rausch, Berlin 1910-1930, wegen der ich dort bin.
Unten ist die Kasse. Ich kaufe für 6 Euro, statt 16 Euro, das BRANCUSI Ticket, besuche als erstes Ruin und Rausch. Die Bilder sind sofort meins, es ist Bewegung in den Bildern, Farben leuchten, S-Bahnen fahren, Videos laufen. Arm und reich, Emanzipation der Frauen, Konsum, Dynamik der Großstadt, bei der ein Großteil der Bevölkerung nicht mithalten konnte.
Dann sehe ich, dass unten andere riesige Ausstellungsräume sind. Ich will einen kleinen Blick hineinwerfen, mich sozusagen anfüttern für den nächsten Besuch. Ich muss mich mit Blick auf die Uhr und Du hast noch das Brancusi Ticket in der Tasche leider zügeln. Eine kleine Pause im Museumsladen endet mit leerem Geldbeutel, Postkartenkauf.








Aber jetzt, nun lasse ich mein Ticket einscannen und betrete ehrfürchtig den Brancusi Saal. Sofort merke ich, dass ich meine Gedanken, meinen Geist frei machen muss, sonst wird das nichts. Ich gehe langsam an den Objekten entlang, lese, horche. Mir erscheinen die Skulpturen zu glatt, zu ich weiß auch nicht. Tatsächlich gelingt es mir erst nach einigen Minuten, mich einzulassen. Ganz erst als ich in der nachbauten Werkstatt des Künstlers ein Video anschaue, er bearbeitet einen Marmorblock, fühle ich, wie sein Werk lebt und ich verstehe es. Gut, dass ich überzeugt wurde. Bemerkenswert finde ich, dass der Künstler seine Werke zu Lebzeiten nicht ausstellen wollte, da sie nur in seinem Atelier mit der richtigen Ausleuchtung richtig zur Geltung kommen. Bald gehe ich wieder hin zum Schauen und Fühlen.









Den Rest des Tages war dann Lächeln auf den Lippen. Abends leckere Melone und Salat gegessen, viel gequatscht, Postkarten geschrieben und gebloggt. Gelesen bei anderen, die bloggen: