9.8.2026 Nachdenken über Wohnen und Zimmer

9.8.2026 Nachdenken über Wohnen und Zimmer

Heute Morgen musste ich über Zimmer nachdenken. Genauergesagt über mein Zimmer.
Als Kind hatte ich ein Zimmer unterm Dach mit Schräge und Dachfenster. Das Zimmer war durch eine selbsteingebaute Holzwand mit Holzwolledämmung in 2 Kinderzimmer aufgeteilt worden. Ich erinnere mich noch an das ursprüngliche große Zimmer, welches 2 Türen hatte. Sich also prima zum Teilen eignete. Und daran, dass einige Zeit neben meinem Bett Tapete mit Meerschweinchen die Wand verzierte.
Das Zimmer war mein Rückzugsort, nachts hörte ich manchmal durch die Wand aus der Nachbarhaushälfte Schreibmaschinengeklapper. Die Möbel stellte ich als Jugendliche 1-2 Mal im Jahr um. Im Rolladenkasten hatte ich im Sommer meistens Wespen, vor denen ich stets fürchtete, sie würden herein fliegen, was manchmal geschah. Am Schreibtisch machte ich meine Hausaufgaben, saß auf dem Boden und hörte Radio oder Kassetten. Ich las im Bett. Eine zeitlang wohnten dort auch 2 Schildkröten und später fast 3 Jahre ein Hamster. Die Schildkröten wurden irgendwann zu groß fürs Aquarium und bekamen im Garten ein Gehege.
Heute habe ich auch ein eigenes Zimmer, es ist das zweitgrößte der Wohnung und meins, seit dem ich mit den Kindern alleine wohne. Mein Schlafzimmer. Gleichzeitig bewahre ich in den Schränken Dinge für alle auf, so etwas wie Bastelsachen, Badesachen, Medizin. Ein Wäscheständer steht dort im Winter oder wenn Besuch kommt und die trocknende Wäsche nicht im Wohnzimmer stehen soll. Dort wird auch gebügelt.
Ich wohne tagsüber im Wohnzimmer in der Essecke. Dort sitze ich tatsächlich am liebsten am Tisch und breite mich aus. Mit meinen Schreibutensilien, einem Buch, Tee, Laptop. Auf meinem Schreibtisch im Wohnzimmer steht der Computer, den nutze ich auch gerne, er hat die beste Tastatur zum schnell schreiben. Manchmal wohne ich auch auf dem Balkon und trage die Dinge dann nach draußen unter den Sonnenschirm. Auf dem Sofa wohne ich fast nur mit Besuch oder zum Nickerchen machen. So am Sonntag Nachmittag zum Beispiel. Wenn ich mich aufs Sofa setze, fühle ich mich ganz oft als mein eigener Gast. Müsste ich das Sofa wechseln? Ich denke nicht. Denn für viele Dinge, wie zum Schreiben brauche ich eine richtige Unterlage und ein Buch oder den E-Reader lege beim Lesen am liebsten ab. Manchmal ist es so, dass ich mich auf dem Sofa automatisch hinlege und meist sofort ein 10 minütiges Schläfchen mache.
Meine Kinder machen das wie ich als Kind, sie wohnen in ihrem Zimmer. Ich wohne im Wohnzimmer und schlafe im Schlafzimmer und koche in der Küche. Zum Wohnen nutzen die Kinder das Wohnzimmer nur für Hausaufgaben am Computer, manchmal mit Freunden (wenn ich nicht da bin) oder für bewegungsintesive Tätigkeiten. Ansonsten scheints habe ich mich in der Wohnung breit gemacht, ohne dass je ein Wort darüber verloren wurde. Ist das Erwachsensein?
Manchmal überlege ich in mein Schlafzimmer einen Schreibtisch zu stellen, um dort Privatsphäre zu haben. Doch es wäre schade, nicht mehr im Wohnzimmer zu wohnen, denn ich mag diesen Raum. Kinder wohnen anscheinend anders.
Zur Zeit sind wir im Urlaub und ich habe verschiedene Ferienwohnungen gemietet. Es sind in der Regel Einraumwohnungen, die mit Schlafsofa für 3 Personen aufgeblasen werden. Hier wohnen die Kinder auf ihrem Bett. Mit allem. Sie haben Kopfhörer auf oder die Nase im Buch. Ich wohne jeweils am Tisch, trage meine Sachen für die Mahlzeiten zu meinem Bett, lege sie dort ab oder lege sie auf den Nachttisch. Nach dem Mahlzeiten und dem Abwasch trage ich benötigte Dinge wieder zurück und schreibe Postkaren, blogge, lese am Tisch. Aber da ich viel früher aufstehe als alle anderen, muss ich hier morgens mucksmäuschenstil sein. Die Abrede ist, ich koche mir Kaffee und Tee. Abends stelle ich meine Frühstückgeschirr schon raus, damit ich morgens nicht so viel klappern muss. Dann mache ich im Dunkeln meinen Laptop an und schreibe Blogtexte oder lese im Netz. Mein Handybildschirm beleuchtet die Tastatur, die ich im Dunkeln sonst nicht sehen könnte und es gäbe noch mehr Tippfehler als eh schon. In der aktuellen Ferienwohnung ist die Verdunklung sehr gut, es ist in Finnland nämlich noch fast die ganze Nacht hell oder einigermaßen hell. In der Ferienwohnung davor hatte es früh mehr Licht, weil die Verdunklung nicht so gut war. Dafür haben wir Schlafbrillen genutzt.
Zu Hause ist das egal. Da sind die Kinderzimmertüren zu, ich stehe auf, wann ich will und mache Licht um meine Dinge zu machen, wie ich will. Das wie ich will und wann ich will ist eine große Freiheit für mich, die ich sehr zu schätzen weiß.
Im Urlaub genieße ich das Zusammensein mit den Kindern, auch wenn jeder von uns in seinem Privatsphäremodus ist. Es funktioniert gut.

Gestern haben wir mit der Hand gewaschen, jeder seine Sachen, also das nötigste. Wir haben die Wäsche im Geschirrabtropfschrank, im Bad auf Bügeln zum Trocknen aufgehängt.
Da heute noch nicht alles trocken war und wir nach dem Ausflug Pizza gebacken haben, trocknete ich die restlichen Sachen an der Backofentür, während und nach dem Backen. Improvisieren ist alles.
Ich appeliere an alle Ferienwohnungsvermieter, bitte gebt euren Gästen mehr als 3 Teller, 3 Tassen und 3 Garnituren Besteck. Ein kleiner Wäscheständer ist auch super zum Handtücheraufhängen oder für die feuchten Regenjacken. Bitte bringt im Bad mehr als 3 stabile Haken an und baut in der Dusche und noch sonst irgendwo eine kleine Ablagefläche ein, damit man seine Sachen nicht auf den Boden legen muss. Ich sage Danke an alle finnischen Ferienwohnungsvermieterinnen, dass fürs Kochen ein paar Basisgewürze, Tee und Kaffee in den Wohnungen bereitgestellt wurden. Ich kann mir vorstellen, dass in Ferienwohnungen viel geklaut oder kaputt gemacht wird. Aktuell sind wir bis auf die Anzahl der Teller und Besteck und manchmal das nicht vorhandene Wlan sehr zufrieden.
Seit gestern findet in Rovaniemi ein Festival statt, etwas mit elektronischer Musik, rosa Blumenketten und einem Bunjeejumpkran. Das superschlechte Wetter heute hat sie von nichts abgehalten. Es wurden lediglich ein paar Regenfolien über die Kleider gezogen. Die angereisten jungen Leute, so von 16 bs 20 Jahre schätze ich, haben hier heute das Internet lahmgelegt. Als wir vom Ausflug zurück kamen, hielten wir beim Lidl. Der ist zufällig neben dem Festival. Zum Glück gab es noch genügend kleine Backwaren für uns! Aber das Navi auf dem Rückweg zur FEWO ging nicht, weil es kein Netz gab. Das hatten wohl hunderte Menschen auf einmal zum Erliegen gebracht. Den Weg war ich schon ein paar Mal gefahren, wusste ihn ungefähr auswendig, hat also trotzdem geklappt.
Auf dem Rückweg vom Ausflug bin ich 80 km im Regen gefahren. An sich nicht so schwierig, es war auch kaum Verkehr. Unterwegs führen 90% der Strecke durch den schönsten Wald und die Rentiere lassen sich ja von nichts beeindrucken. Die Rentiere werden hier in der Gegend gezüchtet und laufen im Wald herum, gehen spontan über die Straße und erschrecken Touristinnen. Dann stand das Wasser auf der Straße und ich hatte sehr oft das Gefühl, dass das Auto schwimmt. Bin eben langsam gefahren und habe zum Glück keinen Wildunfall gebaut. Trotzdem habe ich zwischendurch mal 15 Minuten angehalten und Starkregen abgewartet. Dann noch mal angehalten, weil die Technik des Auto wollte, dass ich das Frontradar putze. Spoiler: es befindet sich im Firmenzeichen vorne am Auto. Also stieg ich aus, putze mit einem Taschentuch das bereits regensaubere! Autoemblem und fuhr dann weiter. Danke, dass die Internetsuchmaschine wusste, wo das Frontradar ist.

Bilder aus dem Supermarkt im Santadorf. Gab aber keine Lebkuchen, war eher wie ein Späti mit Weihnachtsdekoration.

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