12. Juli 2026 12 von 12
Wie schön, dass wir gestern einen Ausflug gemacht haben, an einen Ort, an dem ich noch nie zuvor gewesen bin. Auf den ersten Fotos glitzert die Havel an der Grenze zwischen Berlin und Brandenburg. An und auf der Glienicker Brücke erinnern der Mauerradweg und Informationstafeln an die deutsche Teilung. Nach über 1 stündiger Anreise ist mir durch sommerliche Temperaturen ordentlich warm geworden. Ich bin froh über eine Trinkpause im Garten der Villa Schöninger. Leider öffnet die dortige Kunstausstellung erst um 12 Uhr, die ich somit verpasse. Nach einer Flasche Wasser fühle ich mich bereit und wir laufen zum Glienicker Schloss. Durch den Zaun erspähe ich goldene Löwen und einen hübschen Brunnen.
Ich kaufe Eintrittskarten und melde uns für die Schlossführung an. Dabei erfahren wir einiges über die Verheiratungen und Beziehungen der Fürsten zum Zarenhaus, ich bewundere die zahlreichen Sammlerstücke. Prinz Karl hat von seinen reisen alles Antike mitgenommen, dass er finden konnte und sein Sommerhaus damit dekoriert. Auf diese Art ist zwar vieles erhalten geblieben, heute wäre es undenkbar zum Beispiel in Rom ein Stück Säule oder ein Mosaik abzubrechen und im Urlaubskoffer nach Hause zu transportieren, um es im Garten aufzuhängen. Karls Ziel war ein bisschen Italiengefühl in Glienicke zu haben.






Karls Frau Marie, eine damals seltene Liebesheirat wird im Schloss auf einem bemerkenswert hübschen Bild dargestellt, als gebildete, edle Frau. Schinkel und Lenne haben sich ausgetobt, das Schloss, die Fenster, der Garten, die Blickachsen, alles wurde aufeinander abgestimmt. Die rosapurpurnen Stühle gingen in den Wirren des zweiten Weltkrieges verloren. Damals wurde das Schloss unter anderem als Lazarett genutzt und umgebaut. Mühsam wurden später Garten und Schloss restauriert, die schinkelschen Stühle auf einer Auktion entdeckt. Für 1,5 Millionen ersteigert. Zerschlissene Polster, abgeranztes Holz für viel Geld restauriert. Jetzt stehen sie wieder im roten Salon.






Beim anschließenden Spaziergang durch den Schlosspark, entdecken wir die bei der Schlossführung angekündigten sehenswerten Punkte, ich bin restlos begeistert. Nur etwas besorgt, da die ältere Verwandtschaft den Spaziergang jetzt schon als Wanderung einstuft, auf keinen Fall zu Last fallen will. Ich versuche Sitz- und Trinkpausen einzubauen. Das gelingt immerhin einigermaßen. Wir futtern eine Brotdose voller Gemüsesticks leer. Im Wald treffen wir auf eine Alpakawandergruppe. Der Weg ist schmal, so dass die Tiere ganz nah an uns vorbei müssen. Sie nehmen uns hin.
Am venezianischen Kloster, welches in Italien abgerissen, vom Prinzen erworben und hier wieder aufgebaut wurde, fühle ich mich wie an einem Lost Place. Ein alter Greif guckt von einer Säule auf mich herab.
Unzählige Ameisen und Schmetterlinge sehe ich auf den Waldwegen, es geht hügelauf und -ab. Uralte riesige Bäume, Springkraut. Es ist sehr warm. Für mich fühlt sich die Luft aber besser an als in Berlin. Die Verwandtschaft schnauft. Der Park ist ringsum eingezäunt. Auf der Karte sah es aber so aus, als könnten wir nahtlos vom Park auf den Weg zum Wirthausgarten, den ich ausgesucht hatte, gehen. Ich schicke die Kinder vor, sie finden tatsächlich hinter einer Kurve einen Pfad zum Parkplatz.






Live Musik erklingt, weiße Sonnenschirme beschatten zahlreiche Gäste und einen 100sten Geburtstag. Wir finden einen Platz und ein feines Mahl. Hier Sellerieschnitzel, süße Currysauce und Süßkartoffelpommes, dazu Wasser.

Für den Rückweg suche ich den kürzesten Weg zur nächsten Haltestelle aus. Das sind 1,2 km, die geradeso geschafft werden. Auf der Rückfahrt wird der Tagesausflug noch ordentlich ausgewertet und die erwanderte Leistung in Schritten und Stunden gemessen, ich finde etwas aufgebläht. Aber nun gut, jede wie sie mag. Das wichtigste ist, wir haben etwas zusammen erlebt. Am ehesten hat mich noch die Wärme belastet und dass auf der Rückfahrt mein Wasser alle war. Die Spaziergänge und die Besichtigung fand ich sehr schön, ich würde jederzeit wieder dorthin fahren und in dem Park herumlaufen. Immerhin sind fast alle Befindlichkeiten aller Personen berücksichtigt worden, was mir bei Familienausflügen nicht immer leicht fällt und meine Befindlichkeiten und Bedürfnisse konnte ich gut im Zaum halten bzw. einordnen.
Zum Besichtigen käme als nächstes Schloss Charlottenhof für mich in Frage. Das gehörte anscheinend dem älteren Bruder von Karl.
Herzlichen Dank an DraußennurKännchen für die Blogparade.