12.8.2026 readingfinnish: meine Nerven

12.8.2026 readingfinnish: meine Nerven

Am 10.8.2026 war unser letzter Tag in Rovaniemi. Leider hatte ich nicht annähernd so viel schöne Landschaft gesehen, wie mein Innerstes sich für diesen Urlaub gewünscht hatte. Eine Traurigkeit zieht heftig an und in meinem Inneren darüber, dass jeder Schritt schon nach Abschied und Rückreise schmeckt, darüber, dass das Wetter an 3 Tagen diese Woche so unfassbar schlecht war, dass eine Wanderung einfach keine Freude bereitet hätte.
Am 10.8. mussten wir um 12 aus der Ferienwohnung auschecken, so weit so so gut. Die Zeit bis der beste Nachtzug von Europa uns nach Turku fährt, wollten wir bei einem Stadtspaziergang verbringen. Gegen 9 Uhr brachte ich das Auto zurück, musste aber 10 Minuten warten, weil es draußen unfassbar stark schüttete. Kurz noch Tanken fahren, den Parkplatz am Bahnhof einmal umkreisen um den letzten freien Parkplatz der Autovermietung in deinem riesigen Regenwassersee zu finden. Nun gut. Halb feucht den Autoschlüssel in den Briefkasten geworfen und zurück zur Ferienwohnung gelaufen.
Jetzt überlege ich das Schlechtwetterproblem mit Geld zu bewerfen, den Zug umzubuchen und schon mittags nach Turku zu fahren und eine Nacht noch woanders zu übernachten. Hätte, hätte, der Zug ist abgefahren. Kurz wir hatten einige sehr langweilige nasse Stunden in Roaviemis Einkaufscentern., verbrachten 2 Stunden in der sehr schönen Stadtbibliothek. Spielten Uno, Cabo, StadtLandFluss. Es gab 3 riesige freie Sitzsäcke, auf einem machte ich ein Nickerchen. Gegen halb 6 stiegen wir in den Zug, ich hatte 2 nebeneinader liegendende Schlafabteile gebucht mit Verbindungstür, wir mussten erst andere Leute verscheuchen, die im falschen Waggon waren.
Schlafen ging ganz gut, es schüttete weiter, bis ich morgens wieder aufwachte. In Turku am Bahnhof gibt es keine Schließfächer. Da bekam einen ersten kleinen Nervenzusammenbruch, wir fuhren zunächst mit einem Bus in die falsche Richtung, blieben sitzen und fuhren zurück ins Zentrum zum Markt. Vergeblich suchte ich ein Cafe zum Frühstücken, immerhin schien die Sonne bei 13 Grad. Ich wusste echt nicht, was wir den ganzen Tag mit den Koffern und Handgepäck machen sollten. Nach weiteren 2 Nervenzusammenbrüchen, weigerte sich mein Hirn nach Lösungen zu suchen. Dann kackte mich eine Möwe an, am Hals. Um mich herum der Boden weiß gesprenkelt. Das Kind säuberte seine sehr erboste Mutter und ich halte es beiden Kindern zu Gute, dass sie nicht einfach das Weite suchten.
Ich weiß, dass ich für schlechtes Wetter nichts kann und auf der selbstorganisierten Reise war dieser Teil von mir nicht so richtig gut geplant. Ich konnte nicht wissen, dass es keine Schließfächer geben würde.
Ein Markstand mit Sesseln, Gebäck und Kaffee rettete uns dann. Die Sonne schien kühl herab, ein Wind türmte Wolkenberge auf, das Kind schlug vor bis 10 Uhr zu frühstücken und dann in die Touriinfo zu gehen. So machten wir das. Ich fragte dort nach, wo man sein Gepäck lassen könnte, IN DER TOURIFNFO, für 5 Euro pro Koffer. Ich warf das Geld, bekam einen Stadtplan und dann wurde es ein bisschen besser. Wir spazierten am Aura-Fluss lang zum Dom, dem Wahrzeichen von Finnland, LEIDER wegen Renovierung geschlossen und es fing wieder an zu schütten.
Auf dem Weg dorthin war ein archäologisches Museum. Nachdem wir eine Weile unter einem Baum mit Schirm den Regen abgewartet hatten, schauten wir uns an, was bei Ausgrabungen in Turku alles gefunden wurde. Wir spielten ein Fuchs-Schafe-Spiel. Der Fuchs muss die Schafe durch überhüpfen fressen, die 17 Schafe den Fuchs einkesseln. Ich war der Fuchs und habe gegen beide Kinder gewonnen. Turku ist sehr oft abgebrannt und neu aufgebaut worden. Ich mag es zwischen alten Mauern herumzustreifen und die alten Sachen anzugucken, die Geschichte fühlen.
Es gab noch eine kleine Kunstausstellung in dem Museum. Die Künstlerin hat Fotos, Videos und Animationen ihres Chamäleons Hulda und der Insekten, die sie frisst, erstellt.
Die Ferienwohnung ist im Erdgeschoss eines alten Holzhauses und gemütlich. Jeder hat sein eigenes Bett, so Spitzengardinen am Fenster, alte Möbel. Leider hatte ich vergessen, dass es hier keinen Herd gibt und wir hatten das ganze Restessen (Nudeln, Soße im Glas z.B.) umsonst mitgeschleppt. Wir wärmten in der Mikrowelle die Restpizza von gestern auf und aßen Reste aus Vesperdosen. Lecker.
Leider gibt es keine Spüle, sondern eine Abwaschschüssel, das Wasser holen wir im Bad mit Hilfe des Wasserkochers. Es gibt auch kein Küchenhandtuch, wir nehmen das Gästehandtuch aus dem Bad.
Das Bad hat ca 45 Grad Temperatur, weil dort die Heizung an ist und sich nicht abschalten lässt. Die Tür müssen wir leider geschlossen halten, damit die Wohnung sich nicht aufheizt.
Ich merke beim Schreiben, dass es mir auch heute noch nicht so richtig gut geht innerlich.
Nach einem Schläfchen gehen wir nachmittags nochmal raus, es ist sonnig und windig. Ungefähr eine Stunde lang spazieren wir an der Aura entlang, ich fotografiere Schiffe, Wasser, Häuser. Mein Ziel ist die kostenlose Fähre, mit der wir in 2 Minuten übersetzen. Der Schrägaufzug auf der anderen Seite ist leider geschlossen. Nun also zurück mit der Fähre, wieder Fotos machen, im K-Supermarkt kaufen wir was fürs Abendessen und Schäufelchen Süßigkeiten. Ich stelle fest, dass der Bus zurück auf der anderen Uferseite fährt, wir dürfen erneut Fähre fahren. Die ist super, orange, der Wind weht mittlerweile kalt um die Nasen. Mit dem Bus fahren wir zurück zur Ferienwohnung. Morgen wollen wir mit dem Föli, Wasserbus fahren.

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