26.12.2025 Heizungstage
Es sind 2 frostige Feiertage in Berlin, draußen herrscht klirrende, sonnige Kälte und ich lege drinnen die Füße hoch. Das tut so gut. Die Heizung läuft und ich habe die Teelichtkarussels darauf gestellt, so dass sie sich ohne Kerzen drehen. Das Licht des Weihnachtsbaums spiegelt sich funkelnd darin.
Heute bin ich um 9.30 Uhr aufgewacht, ausschlafen ist eigentlich nicht mein Ding, da ich sonst von alleine nach 7-8 Stunden Schlaf aufwache und wach bin. Das hatte ich wohl nötig, sage ich mir wohlwollend und koche mir einen Kaffee. Der Rest der Familie macht auch Dinge im Schlummelzustand, ich lüfte erstmal eisig durch, trockne die Fenster ab und drehe die Heizungen von Schneeflocke auf wieder An. Das genügt für den Vormittag an Haushaltsaktivitäten. Nach 30 Seiten im Reisführer lesen, Blogs lesen, wird mein Kopf unruhig. Ich schalte den Rechner an und schreibe eine höfliche Terminzusagenmail, die wird zwar auch erst ab dem 30. gelesen, doch dann ist die Formulierung aus meinem Kopf entlassen. Das Neue Jahr wirft einen Terminschatten voraus. Für die Gegenseite kann ich nichts organisieren, das ist einfach nicht meine Aufgabe. Mehr kann ich hier nicht dazu schreiben.
Postcrossing Auffälligkeiten
Während ich lese, erhalte ich eine freudige Email, dass eine meiner Postcrossing Karten in Russland nach 44 Tagen angekommen ist und Freude bereitet hat. Toll! Leider muss ich an dieser Stelle schreiben, dass sich die Postkartenversand Situation von Deutschland in die USA seit August 2025 deutlich verlangsamt hat. Und das geht allen deutschen Postcrossern so, im Forum wird heiß diskutiert, die US Postcrosser wundern sich auch, dass sie gefühlt keine deutsche Post mehr erhalten. Aktuell sind von meinen offiziellen 13 Slots (Anzahl der Postkarten, die ich über Postcrossing versenden kann) 6 von USA „besetzt“. Zum Beispiel 55, 49, 40, 34 Tage schon unterwegs. Umgekehrt erhalte ich Postkarten von dort, die zum Teil nur 14 Tage unterwegs waren. Seltsam.
Da ich auch viele Postkarten privat mit Postcrossern über das Forum austausche, habe ich mittlerweile ein echt schlechtes Gewissen, denn ich erhalte durchaus Post, meine versendeten Karten haben Laufzeiten von 6-10 Wochen oder länger und ich weiß nicht, ob sie alle verloren gingen.
Mögliche Ursachen sind zumindest im November und Dezember Black Week und Weihnachten, die dadurch enorm erhöhte Postmenge. Neulich fand ich einen Artikel im Netz, den ich leider nicht mehr auftreiben kann. Meine Erinnerung sagt mir, dass die Menge der LKWS in USA, die Post in Briefverteilzentren transportieren, von mehrmals pro Woche auf einmal pro Woche reduziert wurden. Das hätte natürlich zur Folge, dass Post länger liegenbleibt. Ebenso wurde vielleicht während der Haushaltssperre in USA in der Post dort nicht gearbeitet. Es wurden neue große Briefverteilzentren gebaut, kleinere geschlossen, Briefpost wird gesammelt und nicht mehr täglich zugestellt. Alles Vermutungen von mir, die es vielleicht erklären.
Ich versuche jetzt die Adressen noch besonders sorgfältiger zu schreiben oder gleich auszudrucken und auf die Karten zu kleben. Dekorierte Karten verschicke ich jetzt im Umschlag (gleiches Porto), obwohl dass nicht ganz im Sinne von Postcrossing ist.
Ich erhalte ca. alle 3 Wochen Postkarten aus Russland. Die werden hier anscheinend auch gesammelt oder gesammelt nach Deutschland ausgeflogen. An einem Tag erhielt ich mehrere Karten aus Kanada, US Postkarten kommen auch stets am gleichen Tag. Ein guter Tag für mich ist Donnerstag um überhaupt Post zu bekommen. Am 23. und 24. hatte ich Glück, es kamen an beiden Tagen mehrere Karten. Europäische Absender wie zum Beispiel UK, Finnland, Österreich, Polen sind immer nach ein paar Tagen hier. Umgekehrt auch.
Für kalte ohne Minus 10 Grad Tage plane ich Wanderungen an der Wuhle und Geocaching an meinen freien Tagen, vorher hole ich weiter Schlaf nach und hoffe, die Kräfte kommen zurück. Ich denke, dass die Grippe (ärztlich nachgewiesen), die ich Anfang Dezember hatte, und dass ich nach 1 Woche mit ca. 75% Kraft wieder arbeiten gegangen bin (Weihnachtsgeschäft und schlechtes Gewissen), fordern immer noch ihren Tribut. Der Husten ist leider auch noch nicht ganz weg. Aber was hat das gut getan, nach überstandenen Tagen mit Schüttelfrost und Dauerbettruhe, wieder arbeiten zu können. Was habe ich mich darüber gefreut und gemerkt, wie viel Spaß die Arbeit doch macht.
Mit steigender Kundinnenanzahl hat sich das Spaß Gefühl wieder relativiert. Schubsen und Drängeln mögen vermutlich andere Menschen auch nicht. Hust.
Obwohl ich gegen Grippe und Covid geimpft bin, hatte mich ein mutiertes Virus erwischt. Nächstes Jahr lasse ich mich trotzdem wieder impfen und hoffe das Beste. (Hier positiv anzumerken: Meine Apotheke hat Impfungen angeboten, zeitlich super und gut erreichbar. Habe ich natürlich wahrgenommen. Und die Dame konnte sensationell gut spritzen, ich merkte nur einen leichten Druck.)
Schnipsel aus dem Arbeitsalltag Weihnachtsgeschäft:
Großeltern, die für ihr Enkelkind einen Dark Romance Roman auf Englisch kaufen möchten. „Der soll aber nicht so Dark sein“, „Das gibt es nicht, dann ich es kein Dark Romance mehr.“ „So etwas wollen wir aber nicht verschenken.“ Ich suche ihnen die vorrätigen Titel heraus empfehle die drei neuesten und beliebtesten und verlasse sie mit dem Satz, sie mögen doch alternativ einen Gutschein für das Kind kaufen.
Das Arbeiten mit den Kolleginnen geht Hand in Hand, es ist eine Freude, wie gut das klappt. Im Pausenraum ist stets Gedränge, weil klein und die Aushilfen kommen zahlenmäßig noch hinzu. Die Spülmaschine ist seit Anfang Dezember defekt, die neue bestellt. Jetzt müssen alle von Hand abwaschen, auch die, die es sonst nicht mal hinbekommen, ihre Kaffeetasse in den Geschirrspüler zu stellen.
Die Onlineabreservierungen von Sonntag zu Montag erreichen Zahlen zwischen 150 und 200.
24.12.2025 Ein 2-3 Jähriges, das schon beim Hereinkommen die Mutter widerwillig fragte, ob sie denn jetzt wirklich noch einkaufen müssten, hat an der Kasse einen Meltdown, während die Mutter vorbestellte Weihnachtsgeschenke abholt. Ich hätte mich gerne dazugelegt.
Die täglichen uns besuchenden 2 Rentnerinnen, die ihren Nachmittag mit Tarotkarten und Esoterikbüchern anschauen bei uns verbringen, alternativ 1-2 Stunden im Sessel schlafen (nie etwas kaufen), kommen trotz trubelnder Kundschaft weiterhin jeden Tag. Teilweise sogar vor- und nachmittags. Dürfen sie.
22.12.2025 Das Computersystem fällt morgens komplett aus. Ein Albtraum. Zur Ladenöffnung funktionieren immerhin die Kassen und Kartenzahlung und das Bestellsystem wieder. Payback geht nicht, was ich persönlich verschmerzen kann. Einige Kundinnen weinen deshalb fast. Die gelieferte Ware wurde natürlich auch später gebucht, weshalb Kundinnen früh um 10 Uhr noch nicht ihre Ware abholen können. Die beiden Selbstbedienungskassen, die echt hilfreich wären, funktionieren erst am 23.12. wieder. Online Abreservierung von vorrätiger Ware geht auch nicht.
22.12.2025 Spätschicht. Wir müssen 3 Mal den Sicherheitsdienst zu Hilfe holen, die Männer sind zum Glück sehr hilfsbereit. Und alles nur wegen 2 Männern, die Pokemonkarten kaufen wollen. Und zwar alle der neuen Serie, die wir vorrätig haben. Sie erzählen ganz offen, dass sie diese im Internet verkaufen wollen. Wir sehen die Eurozeichen in ihren Augen blinken und die zappelnden Bewegungen beim Warten in der Kassenschlange lassen auf starke Pokemonabhängigkeit schließen. Die Kassenschlange bewegt sich an diesem Tag zwischen 20 und 100 Kunden. Die Männer halten also den Verkehr auf.
Wir haben die Anweisung nur 3 Boosterpacks pro Person zu verkaufen, damit alle die Chance haben, welche zu bekommen. Denn die Karten sind rar gesäht und beliebt. Oft bekommen wir nur alle 2-3 Monate mal ein Lieferung zentral zugeteilt (zu wenig für den Bedarf).
Jedenfalls machten die Männer einen Aufstand und bedrohten die Kassenkräfte verbal. Chefin holte den Sicherheitsdienst, nachdem sie sich von ihr und mir nicht aus dem Laden vertreiben ließen.
Anschließend bezahlten sie Menschen auf der Mall, die Karten bei uns zu kaufen. 3 Päckchen pro Person. Natürlich bekamen wir das schnell mit und ich nahm die restlichen Karten aus dem Verkauf, dann waren sie eben alle alle. Die Männer liefen lange Zeit vor dem Laden auf uns ab, beleidigten die Mitarbeiterinnen, unterhielten sich mit den Sicherheitskräften. Einer stellte sich wieder in der Kassenschlange an, als er von uns angesprochen wurde, sagte er, er käme solange wieder, bis er Karten bekäme, man würde sich sein Gesicht sowieso nicht merken können. Sicherheitsdienst kam und er erhielt Hausverbot. Ohje hatten wir alle Adrenalin im Blut und teilweise hatten die Kolleginnen Angst, der Typ würde nach Ladenschluss auf uns draußen warten. Eine ließ sich von ihrem Mann abholen.
Gegen 19 Uhr kam ein betrunkener sehr alter Mann mit Gehhilfe und großer Tasche und großem Mundwerk. Eine Kundin erzählte uns, er hätte beim Reinkommen etwas eingesteckt. In seiner Flaschensammeltasche war tatsächlich etwas. Ich nahm es ihm ab und holte den Sicherheitsdienst, der ihn rausbrachte. Das wollte ich nicht selber machen.
Auf meinem Heimweg ist nichts passiert, wir gingen zu zweit zur Bahn. Ich konnte abends aber lange nicht einschlafen.
24.12.2025 Meine erste Kundin fragt höflich, ob ein bestimmtes Buch da wäre. „Vielleicht!“ Ich gehe ans Regal und hole das Buch. „Hurra!“ Sie reißt die Arme in die Luft und jubelt. Ich lasse mich mitreißen und jubele auch. Tolles Gefühl.
23.12. Ich räume alle Vorratskisten mit Romanen leer und integriere die Bücher in die Regale und auf die Verkaufstische. Überall staubt es, denn wir sind seit 8 Wochen nicht zum Wischen gekommen.
Mein Lager für Rätselbücher ist fast leer. Ich habe am 20.12. nochmal nachbestellt.
Ich laufe mit der 50% Aufklebernrolle am Handgelenk herum und sammle versprengte Weihnachtsgeschenkartikel ein, räume sie auf den vorletzten Weihnachtstisch nach vorne und reduziere alles. Prompt bildet sich eine Traube von Menschen um mich herum. Im Kassenbereich reduziere ich die Weihnachtslebensmittel, Lebkuchen und Tee. Kaum drehe ich mich um, ist ein großer Schwung bereits weggekauft und ich ergänze auf der frei gewordenen Verkaufsfläche Schachteln mit britischen Keksen zum Normalpreis sowie Berlin Gummibärchen.
24.12. Die Winterschlussverkaufsaktion wird geliefert. Zu unserer Verblüffung haben die Kisten jetzt rote Deckel. Das ist neu. Die Ware wird aber erst zwischen den Jahren aufgebaut.
Ich reduziere den Glühwein und Tee, den ich am 23.12. übersehen hatte, fülle mehrmals das Regal mit reduzierter Grinchware auf. Zwei Kolleginnen tragen einen Grinchpulli, beim morgendlichen Ware verräumen wird vom Handy Weihnachtsmusik abgespielt. Bin ich froh, als das auf die auch sonst übliche morgendliche Metalmusik wechselt. Meine Stimmung ist nicht die Beste und, wie ich dann im Laufe des Vormittags bemerke, stets kurz vorm Kippen. Es hilft mir nicht, mich ständig darauf anzusprechen und mir vorzuschwärmen, was eine selbst schönes an diesem Tag noch vorhat.
Ich lade einen Bücherwagen voll mit Krimi-Stapeln, die ich auf einen leergekauften Tisch (vorher lagen dort Puzzle) am Eingang lege.
Zwischendurch immer wieder die Frage: Wo kann ich Bestelltes abholen? Die Kasse klingelt im Hintergrund würde man früher sagen, heute piepen die Kartengeräte.
Bastelkalender sind quasi alle. Wer bastelt denn am 24.12. noch einen Kalender? Ich nicht.
Etabliert habe ich für mich den Satz „Frohes Fest.“ Herzlicher wird es nicht.
Am 22.12. von 14-17 Uhr spielt ein Bläserensemble auf der Mallbühne. Sie können sehr ordentlich spielen. 3 Weihnachtslieder, 3 Stunden lang, sehr getragen.
Haben Sie es schön an den freien Tagen.
Ein Gedanke zu „26.12.2025 Heizungstage“