3.2.2026 Auf Reisen Zug und Kunst
Es ist bitter kalt in Berlin und der Wind weht eisig durch die Mütze bis auf die Kopfhaut. Dank Reiserucksack und Kapuze und Doppeldrunterschicht friere ich noch nicht. Knirschrutschend erreichen wir den S-Bahnhof, keiner ist ausgerutscht!
ICE der Klasse L. Der Einstieg ist ebenerdig mit einer riesigen Lücke zum Bahnsteig, bei Bedarf wird hoffentlich eine Rampe angebracht. Graue Sitzbezüge, alles wirkt etwas geräumiger und breiter. Unsere Reservierung wird nicht angezeigt, doch sobald wir losgefahren sind, gelingt mir der Komfortcheckin, keine Selbstverständlichkeit. Zuerst wird einmal gefrühstückt, trotz Kälte hat mein Thermobecher den Kaffee bis jetzt warm gehalten. Ich höre Hörbuch, Diese entsetzliche Lücke von Joachim Meyerhoff, es wird fleißig Polemik betrieben, mehr als einmal muss ich laut Lachen.
Es zieht gehörig an der Fensterseite und als meine Schulter zu schmerzen beginnt, lege ich ein Shirt zum Wärmen darüber. Sonst ist es angenehm geheizt. Nur Nase und Schulter bleiben kalt.
Schneelandschaften, ein Schwarm Schwäne, eine Gruppe Rehe, Eisschollen auf diversen Flüssen und zugefrorenen Seen.
Hannover, eisiger Wind fegt in den Zug und draußen in Böen den Schnee von den Dächern.
Halt in Herford, 12 Minuten hinter dem Plan. Im Vorbeifahren erhasche ich einen Blick auf ein altes Fabrikgebäude, Dr. Oetker. Durch eine Glasfront sehe ich einen riesigen gelben Vanillepudding aus Kunststoff.
Hörbuch zu Ende gehört, da 12 Leute in der Ausleihe Warteschlange angezeigt werden, gebe ich es gleich zurück.
Kurz vor Hamm: Der Schnee ist weg! Sonne!
Reiseführer lesen. Das Museum Ludwig erscheint mir ansprechend und okayisch um die Wartezeit zu überbrücken, bis die Ferienwohnung öffnet. Picasso und PopArt begeistert hoffentlich nicht nur mich, sondern alle Mitreisdenden.
Ankunft in Hamm: Eine Stellwerkstörung in Dortmund wird durchgesagt. Wir bleiben wohl erstmal hier stehen, da nicht klar ist, wann, ob? wir weiter fahren können. Die Museumspläne lege ich noch nicht auf Eis. Da die Türen geöffnet bleiben, heizt der ICE für draußen und ich hole mir meinen Schal, klemme einen warmen Winterjacke Knubbel zwischen mich und die ICE Außenwand.
Ich schlage vor, dass jetzt ein guter Zeitpunkt für das Verteilen von Schokolade wäre.
10.53 Uhr Mitreisende beginnen sich auszutauschen, welchen Regio man alternativ nehmen könnte, dann ändert sich die Anzeige de DB App, die Störung wurde behoben, es kommt aber noch zu Verspätungen. Immerhin wurden jetzt die Türen geschlossen und es zieht etwas weniger.
Ich ziehe den Schal wieder aus, verschiebe meinen Imbiss auf später, wer weiß, wie lange das hier noch dauert.
Jetzt ist unser Zug defekt und kann nicht losfahren, denn er ist neu, so wird es durchgesagt. Per Lautsprecher wird vorgeschlagen, den verspäteten Regio auf dem Nachbargleis zu nehmen. Wir packen hektisch ein, aber der Regio wird so voll sein! Zu Entscheidungszwecken spielen wir Schnick Schnack Schnuck, ich gewinne und entscheide zu pokern und sitzen zu bleiben. Lautsprecher: es wird ein weiterer Versuch unternommen, den Zug neu zu starten und los zu fahren. Das Abteil drückt die Daumen, ein Mann wacht jetzt erst auf, nimmt die Kopfhörer ab und fragt verwirrt was los ist. Dann … der Zug fährt wieder … 30 Minuten Verspätung.
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Ankunft in Köln mit ca 40 Minuten Verspätung. Es regnet in Strömen, das Wetter kennen wir gar nicht mehr. Kalter Wind pfeift. Mit wochenlang eingeübtem Schlurfschritt, bloß nicht ausrutschen, laufen wir Richtung Museum Ludwig, werden gut nass. Der nette Kassierer gibt uns 3 Garderobenschrankschlüsselkarten, wir quetschen unser Gepäck hinein und sind froh, alles los zu sein, Für 11 Euro laufen wir bis 15 Uhr durchs Museum, Picasso, PopArt, Dada, Feininger, Becker-Moderson, Paul Klee, ich bin hingerissen. Die Begleitung ermüdet bald, ich sauge auf, so viel ich kann, darf hinterher noch im Museumsladen Postkarten kaufen.
Ferienwohnung mit Türcode, Altbau, Südstadt, steile Treppe 3. Stock, sehr gemütlich, sauber und warm, Ikea hat hier eingerichtet. Blick auf die Domspitzen und Hinterhof. Es vibriert, wenn unten ein Auto vorbei fährt.
Nach einem Päusschen und Jacken trocknen, brechen wir wieder auf und laufen Richtung Alter Markt, besuchen Tünnes und Schäl, Groß St. Martin und den Gnom am Gaffelhaus, der seinen Hinter Richtung Rathaus streckt. Das Glockenspiel am Rathaus haben wir auch gehört.
Zufällig finden wir den Maus Laden, kaufen bei Netto Abendessen ein. Müde Füße, müder Kopf und viel gesehen.










